Stolz, die Ursünde
Kaiser Diokletian prägte eine noch vorhandene Gedenkmünze, welche die Inschrift trug: „Weil der Name der Christen ausgelöscht ist.“ Wie sehr sich ein stolzes Herz doch irren kann!
In Matthäus 22,6 wird am besten deutlich, wozu der Stolz des Menschen führt. Hier können wir das Wesen der Sünde sehen. Gott richtet Seine Einladung an die Welt, und die Menschen lehnen sie ab, sie misshandeln und töten die Boten des Königs. Das ist pure Überheblichkeit und Stolz des Mensch, der sich in seinem Hochmut gegen Gott erhebt, Ihm trotzt, der vergisst, dass er ein Geschöpf und Gott der Schöpfer ist. Der Mensch wendet sich in seiner Überheblichkeit von Gott ab. Er verletzt Gott absichtlich, demütigt Ihn öffentlich, denn was kann mehr verletzen und mehr demütigen als eine beständig verschmähte, verachtete, zurückgewiesene Liebe?
Wir wollen uns heute mit dem wichtigen Thema „Stolz, die Ursünde“ befassen.
1. Die Ursache des Stolzes
Stolz war und ist der wirksamste Köder Satans: „Ihr werdet sein wie Gott!“ (1. Mose 3,5) Stolz verleitete unsere ersten Eltern zu dem Begehren, sein zu wollen wie Gott. Das Wesen des Stolzes ist ein falsches Bild von sich selbst. Es verleitet zu falschem Selbstvertrauen, zum Wunsch unabhängig zu sein. Stolz ist Selbstbehauptung gegen den guten und weisen Gott. Der Stolze meint es stets irgendwie besser zu wissen.
Deshalb ist es auch einleuchtend, dass einem hochmütigen Herzen nichts unerträglicher ist als der Gedanke an einen allmächtigen, souveränen, absolut gerechten und heiligen Gott, dem niemand widerstehen, den niemand täuschen oder hintergehen kann, der über alle Geschöpfe und alle Umstände nach Seinem uneingeschränkt freien Willen verfügt und ganz besonders allen Stolz hasst und Sich vorgenommen hat, ihn zu demütigen. (Jesaja 2,12+17 „Es kommt ein Tag [des Gerichts] von dem HERRN der Heerscharen über alles Stolze und Hohe und über alles Erhabene, und es wird erniedrigt werden....der Hochmut des Menschen wird gebeugt und der Stolz des Mannes gedemütigt werden; der HERR aber wird allein erhaben sein an jenem Tag.“)
Deshalb kann der Stolze nur mit Empfindungen von Furcht, Abneigung und Widerwillen an solch einen Gott denken und auf Sein Reden und Wirken reagieren. Er kann nicht anders als in Ihm seinen natürlichen Feind zu sehen, den er zu fürchten hat.
Der Stolze macht viel aus sich selbst. Deshalb sind z.B. sportliche Wettbewerbe aller Art solche Massenmagneten. Denn hier kann sich jeder einzelne Zuschauer, wenn er möchte, mit den Siegern identifizieren. („Wir sind Papst!“)
Auch wiedergeborene Christen haben auf diesem Feld noch viel zu lernen. Denn nachdem sie Gottes Wort gehört und geglaubt haben, wollen viele hoch hinaus. Sie möchten am liebsten jeden Tag Wunder, Zeichen und das mächtige Eingreifen Gottes erleben. Dabei ist ihnen in der Regel gar nicht klar, dass diese Wünsche überwiegend der Stärkung ihres frommen Egos dienen sollen. Aber was wir wirklich brauchen, ist nicht groß, anerkannt und beachtet zu werden, sondern es zu lernen demütig, bescheiden und übersehen zu werden, ist nicht, mehr Kraft zu bekommen, sondern eine radikalere Selbstverleugnung auszuleben.
Früher wurde allgemein anerkannt, dass die Hauptsünde des Menschen der Stolz ist. Heute erzählt man uns, dass unser Hauptproblem darin liegt, dass wir ein zu schlechtes Bild von uns haben, und dass wir positiver von uns denken und unser Selbstwertgefühl stärken müssten.
Die Erkenntnis Gottes zielt unmittelbar darauf ab, dem stolzen Menschen den Spiegel vor Augen zu halten. Sie lehrt ihn, dass er einen Meister hat, dessen Herrschaft er nicht entfliehen und dessen Macht er nicht widerstehen kann, ja dessen Willen er gehorchen muss, wenn er nicht von Ihm zermalmt werden will. Sie zeigt ihm, dass sein tiefstes Problem sein stolzes Herz ist, das selbst Gott sein möchte und deshalb den Menschen mit Hass gegen den wahren Gott erfüllt, dessen Ratschluss ungeachtet all unseres Widerstrebens sich dennoch erfüllt.
Und weiter macht Gottes Wort den Menschen klar, dass nur Gott selbst durch einen Akt der Neuschöpfung ihnen ein neues Herz schenken kann, das Gott liebt und ehrt. - Bekenne deshalb deinen Stolz und bitte Gott um ein neues Herz und einen neuen gewissen Geist. Gott hat es versprochen: „Und Ich will euch ein neues Herz verleihen und euch einen neuen Geist eingeben: das steinerne Herz will Ich aus eurer Brust herausnehmen und euch dafür ein Herz von Fleisch verleihen.“ (Hesekiel 36,26) Glaube das und rechne damit – jetzt.
2. Die Auswirkungen des Stolzes
Ihrem Wesen nach sind die Menschen Anbeter. Gott hat die Anbetung zur Hauptmotivation für jeden Menschen gemacht. Auf Grund dieses Schöpfungsentwurfs ist alles, was ein Mensch tut, Ausdruck seiner Anbetung. Jeder Mensch ist ein Anbeter. Die Sünde in uns verleitet uns jedoch zu der Annahme, das ganze Leben müsse sich um uns selbst drehen. So werden wir, indem wir uns selbst dienen und uns selbst für den Mittelpunkt der Welt halten, zu Dieben der Anbetung Gottes. Gestohlene Anbetung ist der Kern aller Probleme, die wir als gefallene Menschen haben.
Seit dem Sündenfall gehört die Loyalität des Menschen ihm selbst, seinem Ego und das ist der grundlegende Fehler seines Daseins, die Quelle seines Stolzes, das deutlichste Anzeichen von Sünde. Stolz erhöht den Menschen auf Kosten Gottes! Der Stolze rechnet der eigenen Person einen größeren Wert zu, als sie es verdient. Er macht zu viel aus sich selbst.
Die Sünde des Stolzes wirkt wie Alkohol oder Drogen: Wer ihr Raum gibt, bekommt eine verzerrte Sicht der Realität. Er versucht, andere damit zu beeindrucken und, was noch schlimmer ist, er glaubt sie langsam selbst. Die Stolzen werden immer stolzer. (Galater 6,3: „Denn wenn jemand meint, etwas zu sein, da er doch nichts ist, so betrügt er sich selbst.“)
Der stolze Mensch findet mit der Zeit an allen Seiten der eigenen Person immer größeren Gefallen: Stolz auf die eigene Stellung – Matthäus 23,1-11 + 1. Petrus 5,5; Stolz auf Fähigkeit und Leistung – 1. Korinther 2,1-5; Stolz auf Reichtum und Besitz – Lukas 12,19; 1.Timotheus 6,17; Stolz auf Erkenntnis – 1. Korinther 8,1 – Jeremia 9,22; Stolz auf die eigene Stärke – Psalm 20,8-9; Stolz auf geistliche Begabung. Sie wird meist nicht direkt geäußert, sondern an bestimmten Verhaltensweisen erkennbar; Minderwertigkeitsgefühle sind deutliche Zeichen des Stolzes. Denn wer sie hat, zeigt dadurch deutlich, dass er gern mehr und anders wäre, als er ist.
Stolz ist eine Wurzelsünde, aus der andere Sünden erwachsen: z.B. lügen Menschen, weil sie zu stolz sind, die Wahrheit zuzugeben; manche betrügen, weil sie zu stolz sind, sich mit dem zufrieden zu geben, was sie verdienen ... Die Bibel lehrt, dass das Vertrauen auf sich selbst der schlimmste Fehler der Gottlosen ist. Jede Sünde erwächst aus dem Stolz.
Hochmütig ist der Mensch, der seine Abhängigkeit von Gott und sein Angewiesensein auf Ihn im Alltag nicht eingesteht. „Hochmut kommt vor dem Fall“ (Sprüche 16,18).
In dem Maße, wie der Hochmut im Herzen die Überhand gewinnt, steigert er in uns den Wunsch, niemand über uns zu sehen, kein Gesetz außer unserem Willen anzuerkennen und keiner anderen Richtschnur als unseren eigenen Neigungen zu folgen.
Aus dem im tiefsten Grunde dem Hochmut entspringenden Gefühl der Sinnlosigkeit, der täglichen Plackerei entsteht die Lebensangst. Wir sind geschaffen, um Menschen der Freude, des Lichts und der Liebe zu sein. Wir sollen und dürfen in der Lebensgemeinschaft mit Christus durch Erkenntnis und Geständnis unserer Schuld und Armseligkeit neue Kreaturen werden voll heilig-demütigem Selbstbewusstsein. Allein bei Jesus finden wir Erlösung aus den Verkrampfungen und Verzerrungen unseres Menschseins, aus Hochmut und Verzweiflung, Neid und Streit, Herrschsucht und Geldgier. Nimm die Gelegenheit heute dazu wahr!
3. Die Überwindung des falschen Stolzes
Da die Sünde des Stolzes hauptsächlich in der Lüge, d.h. der Entstellung der Wahrheit besteht, ist es in der Regel kein sündhafter Stolz, wenn man ein gutes Gefühl angesichts etwas Großartigem hat. Stolz auf Gott zu sein ist z.B. sicherlich einfach ein weiterer Weg, auf geistliche Weise Dankbarkeit und Lob zum Ausdruck zu bringen. Oder: Ich danke Gott dafür, dass Er mich für den höchsten Preis, der jemals hier auf dieser Erde bezahlt wurde erkauft hat. Das macht aber nicht mich, sondern Gott groß. Jemand mag zu Recht stolz auf seine Kinder oder seine Eltern sein, die er als besonderen Segen Gottes erkennt (Sprüche 16,31; 17,6). Paulus spricht oft vom Sich-Rühmen vieler Dinge, aber immer im Zusammenhang mit der Gnade Gottes (1. Korinther 3,5f;15,10; Galater 6,4+14).
Wenn ich z.B. der einzige Klavierspieler in einer Versammlung bin, in der ein Klavierspieler gebraucht wird, dann ist es kein Akt frommer Demut, wenn ich mich so verhalte, als könnte ich kein Klavier spielen, sondern wohl eher Stolz, der Angst hat, sich zu blamieren.
Wir dürfen uns freuen, wenn andere anerkennen, wenn uns etwas gelang. Wir sollten nicht alles Lob abwehren, sondern es dankbar mit dem Hinweis auf Gott als der eigentlichen Ursache des Gelingens entgegennehmen.
Die Erlösung geschieht also durch Demut (= Verzicht auf eigene Ehre, Geltung) - auf Seiten Gottes durch Seine Selbstentäußerung in Christus und auf Seiten des Menschen durch Sündenerkenntnis und Verzicht auf jede Selbstrechtfertigung.
Falscher Stolz jedoch muss überwunden werden! Da sind wir aufgerufen Buße zu tun und zum Herrn Jesus Christus umzukehren, damit wir leben lernen, wie Er es möchte und wie es gut für uns ist. - Als Christus zu leben heißt: „Nicht mehr sich selbst zu leben“ (2. Korinther 5,15)! „Den anderen höher zu achten, als sich selbst“ (Philipper 2,3). „Korrektur, Zurechtweisung, Ermahnung anzunehmen und mitzuteilen“ (1.Thessalonicher 5,14). - Das ganze Erlösungswerk ist gegen den Stolz konzipiert: Allein aus Gnade – allein der Glaube – allein Christus – allein die Schrift. Das alles ist stolzen Menschen zuwider.
Dauerhaft wirksame Gegenmittel gegen den Stolz sind: Die Verpflichtung der Wahrheit gegenüber. Die Wahrheit über unser stolzes Herz zu erkennen und öffentlich zuzugeben, wird uns frei machen (Johannes 8,32). - Gott stets zu loben und zu danken, sind die wirksamsten Mittel gegen den Stolz. Es wird auf Dauer nicht möglich sein, sich selbst für Verdienste zu feiern, für die man Gott überall die Ehre gibt (Galater 6,14). Das Lob Gottes ist in gewissem Sinne eher der Gegensatz zum Stolz, als die Demut. Glaube, der durch eine anhaltende Gesinnung des Lobens und Dankens ausgeübt wird, ist ein wirksames Mittel gegen den Stolz. - Konsequent die Rolle des Dieners einzunehmen ist ein weiteres Gegenmittel gegen den Stolz. Wir sollen uns aktiv selbst demütigen (1. Petrus 5,6), ja, uns mit Demut bekleiden (Kolosser 3,12; Johannes 13,1f). - Die Liebe ist ein wirksames Mittel gegen den Stolz. 1. Korinther 13 gibt eine vollkommene Beschreibung dessen, was Stolz nicht ist. Liebe zeigt sich in dem Bewusstsein, stark genug zu sein, um andere höher zu achten als uns selbst. - Leiden anzunehmen als Mittel zu unserer Demütigung (Psalm 119,67).
Die göttlichen Mittel zur Überwindung des dämonischen Stolzes sind: Das Akzeptieren der Realität, die Konzentration auf Gott mit Lob und Dank, aktives Vertrauen auf Ihn in Bezug auf die Hilfen zum Leben, Annahme der Rolle eines Dieners, eine tiefe Liebe und das Akzeptieren von Gottes liebevoller Zucht. Dabei bleiben wir uns bewusst, dass unser Heil nicht durch ein Gelingen unserer eigenen frommen Bemühungen, Entscheidungen oder Taten zustande kommt, wie es sich der religiöse Hochmut einbildet, sondern einzig und allein durch Gottes Gnade, die für uns und in uns schafft, was uns fehlt.
Bitte Gott darum, dass er dir deine wahre Stellung vor Ihm zeigt und dich durch Jesus Christus von deinem stolzen Herzen überführt und befreit.